Schulentwicklung als Metapher

/ März 26, 2021/ Schulentwicklung/ 0Kommentare

Schulentwicklungsarbeit wird an Schulen häufig als Roadmap oder in Form von Projektplänen visualisiert. Projekte verlaufen aber normalerweise nicht so linear wie diese Darstellungsformen es suggerieren. Wie die meisten Straßen übrigens auch nicht: auch hier gibt es Umwege, Abzweigungen, Möglichkeiten der Umkehr usw. Die Straße als Projektplan ist eine visualisierte Metapher: Schulentwicklung als ein Weg mit fest eingeplanten Zwischenhalten, die im Projektmanagement als „Meilensteine“ bezeichnet werden.

Wenn man zu einem praxisorientierteren Ansatz kommen möchte, landet man schnell bei den die Ideen von Agilität und Scrum, die ein kleinschrittigeres und flexibleres Agieren vorsehen: Ausgehend von einer Idee oder einem Ziel wird zunächst ein „Prototyp“ erstellt, ausprobiert und dann weiterentwickelt, angepasst und sofern erfolgreich, ausgeweitet auf mehr Gruppen oder Bereiche. Durch das frühzeitige Ausprobieren und Anpassen lassen sich langfristige Fehlplanungen und große Fehlkonzeptionen verhindern, zugleich werden aber im Prozess permanent alle betroffenen Gruppen involviert, so dass durch Partizipation ein gemeinsames Produkt entstehen.

Diese Veränderung des Denkens von Konzeptentwicklung und Implementierung zu der iterativen Abfolge von Prototyp, Testung und Anpassung statt fällt Kolleginnen und Kollegen, die schon lange in Schulentwicklung arbeiten, nicht immer leicht. Entscheidend dabei ist: Metaphern bestimmen unser Denken und damit auch unsere Vorstellung von Dingen und Prozessen. Damit erhält die Visualisierung von Schulentwicklungsprozessen eine große Bedeutung, weil sie ein verändertes Verständnis und auch dessen Vermittlung ins Kollegium erleichtert oder erschwert.

Notwendig ist daher ein Nachdenken über das eigene Verständnis von Projektmanagement und Schulentwicklung – am besten auch tatsächlich in Form von Metaphern. Entwicklungsprozesse als Weg ist als Grundmetapher durchaus stimmig und bietet allen gute Anknüpfungspunkte an die eigene Praxis. Allerdings sind Wege ja nicht immer geradlinige Straßen. Aus diesem Grund haben wir in einer Fortbildung mit Steuergruppenleitungen mehrere Bilder (alle von pixabay) ausgewählt, die unterschiedliche Arten von Wegen zeigen, um mit den Teilnehmenden gemeinsam zu überlegen, welche Art von Weg (und auch Bewegung) am besten ihrem Verständnis von Schulentwicklungsarbeit entspricht.

Am stimmigsten fand ich dabei das letzte, hier schon große gezeigte Bild der Flußüberquerung (im Workshop hatten die Bilder alle die gleiche Größe und standen gleichwertig nebeneinander).

Kurze einige wenige Impulse, warum mir das letzte Bild – insbesondere in Abgrenzung zu den anderen Bildern – als hilfreich für die Anregung eines Konzeptwechsels erscheint: Schulentwicklungsarbeit hat ein Ziel = das Erreichen des anderen Ufers. Die Bewegung leistet man selbst und ist selbst auch für jeden Schritt verantwortlich. Dies geschieht jedoch nicht allein, sondern gemeinsam: Man reicht sich die Hand, unterstützt und hilft sich, nimmt die anderen mit auf den Weg.

Es ist ein eher langsames, tastendes Vorgehen: Ist der nächste Schritt möglich? Ist der Stein stabil oder wackelig? Wenn es an einem Punkt nicht weitergeht, gehe ich vielleicht nochmal ein Stück auf dem als sicher erkannten Weg zurück und überlege, wie ich den restlichen Weg „überbrücken“ kann, z.B. indem ich Hilfe hole, wie z.B. ein Brett oder weitere große Steine sammle, vielleicht aber auch eine andere Stelle im Fluß zur Überquerung suche…

Von hier aus ist es dann gedanklich nur noch ein kleiner „Schritt“ zu den abstrakten Darstellungen iterativen Vorgehens im agilen Projektmanagement.

P.S. …und mit dem Vergleich zum Brückenbau, der ja als Alternative für die Überquerung des Flusses auch denkbar und möglich wäre, lässt sich das Bild zugleich auch für das klassische Projektmanagement mitdenken (Entwurf für die Brücke errechnen und zeichen, Material und Arbeiter*innen hinzuziehen, Bau der Brücke – mit einem hohen Risiko, dass ohne die entsprechende Erfahrung ein solches Großprojekt schnell Gefahr läuft zu scheitern, wegen Rechenfehlern in der Planung, mangelnden Ressourcen, zu langer Dauer etc.)

Ergänzung (01.05.2021): Ausgehend von einer anregenden Diskussion auf Twitter möchte ich gern hier noch die Idee ergänzen Schul- und Unterrichtsentwicklung alternativ über die Metapher von Trampelpfaden zu denken und ggf. auch zu visualisieren. So heißt es im verlinkten Text u.a.:

„„Trampelpfade entstehen, wenn Wege gänzlich fehlen – oder Menschen das Gefühl haben, dass die vorhandenen nicht gut genug sind. […] Wenn man sie zu selten benutzt, verschwinden sie wieder unter Gras und Gestrüpp. Daher kann es sinnvoll sein, wenn Menschen, die am selben Ort starten, aber zu verschiedenen Zielen wollen, einen Abschnitt des Weges teilen.“

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