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Tipps für internationale Online-Unterrichtsprojekte

Online Unterrichtsprojekte sind eine hervorragende Möglichkeit, auch mit großer räumlicher Distanz zu Deutschland, authentische Sprachlernsituationen in den regulären Unterricht zu integrieren.

Vielleicht ist es hilfreich zunächst zu klären, was damit genau gemeint ist:

International bedeutet, dass mit mindestens einer Klasse aus einem anderen Land, z.B. eine andere Deutsche Auslandsschule oder einer Schule aus z.B. Deutschland, Österreich, der Schweiz, England oder Polen zusammengearbeitet wird.

Wenn ein Projekt nur online durchgeführt werden, heißt das, dass es ohne präsentielles Treffen auskommt und stattdessen der Kontakt zwischen den Gruppen per Mail, Chat, Videoskonferenz, über eine Lernplattform oder andere digitale Kommunikationsmöglichkeiten erfolgt.

Unterrichtsprojekte können fachgebunden oder fächerübergreifend sein, entscheidend ist, dass sie in die regulären Unterrichtsstunden integriert, also kein Zusatzangebot und zeitlich befristet sind und sich damit von „Partnerschaften“ zwischen Klassen oder Schulen unterscheiden, die in der Regel dauerhaft vereinbart werden.

Internationale Online-Unterrichtsprojekte lassen sich von Kindergarten bis zum Abitur in allen Stufen und grundsätzlich auch in allen Schulfächern, insbesondere in den Sprachen, Geschichte, Kunst, Musik, Politik, Erdkunde, aber auch in Chemie, Sport oder Biologie durchführen.

Um die Projektarbeit in den Unterricht zu integrieren ist es gut, das Thema des Projekts aus den möglichen Bereichen der Lehr- und Arbeitspläne zu entnehmen. Dabei lassen sich die Themen nach Alter und Sprachniveau sehr gut differenzieren. So kann man bereits im Kindergarten und in der Grundschule Online-Projekte mit Partnern aus der ganzen Welt durchführen, für die wenig bis keine Sprachkenntnisse oder Schreibkompetenz notwendig sind. Dies lässt sich erreichen, indem man vor allem mit Bildern arbeitet und die organisatorische Kommunikation und technische Umsetzung altersangemessen überwiegend bei den Erzieher:innen und Grundschulehrer:innen liegt.

So können die Kinder ihre Lieblingsorte in ihrer Stadt fotografieren, die Blumen und Bäume an ihrem Schul- oder Wohnort dokumentieren und dann die eigenen Ergebnisse mit der anderen Gruppe vergleichen. Sie können auch ihren Kindergarten bzw. ihre Grundschule mit Fotos oder in einem Video vorstellen. Auch das Thema „Feiern & Feste“ kann aufgegriffen werden, in dem die Kinder z.B. Bilder malen, diese abfotografiert und dann digital an die andere Gruppe geschickt werden. Zu großen wie Ostern, Weihnachten oder anderen, nicht christlichen Festen lassen sich Karten gestalten und an die Partnergruppe schicken. Erklärungen zu den eigenen und Nachfragen zu den Produkten der anderen können als Sprachnachricht oder Video aufgezeichnet werden. Alternativ sammeln die begleitenden Lehrpersonen diese und leiten sie schriftlich an die Partnergruppe weiter.

In der Sekundarstufen können die Lernenden bereits mehr Verantwortung und Kommunikation in den Projekten übernehmen. Beispielhaft seien mögliche Themen als Anregungen für verschiedene Fächer genannt.

  • Biologie: Vergleich lokaler oder regionaler Ökosysteme
  • Chemie: Untersuchungen der Wasserqualität von Flüssen oder Seen
  • Erdkunde: Tourismus am Schulort (Infrastruktur, Befragung, Initiativen), Industrieförderung vs. Umweltschutz
  • Fremdsprachen: Geschichten schreiben, Präsentationen erstellen bzw. Kommunizieren über sich selbst, die eigenen Familie, die Wohn- und Schulort, das Leben von Jugendlichen in unterschiedlichen Ländern
  • Geschichte: Denkmäler, Straßennamen/Gebäude am Schulort, Migrationsgeschichte
  • Kunst: gemeinsames Gestalten digitaler Kunstwerke, Künstlerbiographien, Kulturkontakte
  • Politik: Vergleich von Nachrichten, Fake News, Männer/Frauen, Rollenklischees in der Gesellschaft, Flüchtlinge, Menschenrechte, Demokratie in Schule

Egal, mit welcher Alterstufe, welchem Fach oder Thema sind zahlreiche Aktivitäten, Methoden und Produkte möglich: sprechen, schreiben, Fotos machen, Videos erstellen Modelle und Collagen basteln – analog wie digital, Rollenspiele entwickeln, Rätsel erstellen, Interviews und Umfragen durchführen, komponieren, tanzen, diskutieren, Bilder malen, Karten zeichnen, Poster, Plakte oder Präsentationen gestalten usw.

Mit Blick auf das Deutschlernen ist es natürlich toll, eine Klasse aus dem deutschsprachigen Raum für ein Projekt zu gewinnen, da so auch die Perspektive des Zielsprachenlands ür den Bereich der landeskundlichen Aspekte Eingang in das Projekt findet. Aus Sicht des Sprachenlernens, der Förderung interkultureller Kompetenz und internationaler Kontakte der Schulen (vgl. ORQ und Qualitätsprofil) kann es sinnvoll sein, Deutschlernende auf ähnlicher Alters- und Niveaustufe, z.B. aus zwei Deutschen Auslandsschulen von unterschiedlichen Kontinenten, in einem Projekt zusammenzubringen. Die Schülerinnen und Schüler erleben Deutsch als gemeinsame Kommunikationssprache.

Gut funktionieren auch Projekte, in den die Lernenden auf ähnlichem Niveau jeweils die Sprache der anderen Lernen. In beiden Fällen wird ein starkes Gefälle in der Sprachkompetenz – wie bei Projekten zwischen Muttersprachlern und Lernenden – vermieden, was durch das sprachliche Ungleichgewicht und die unterschiedlich ausgeprägte Interesse zu Problem, manchmal sogar zum Abbruch eines Projekts führen kann.

Je nach Zeitverschiebung über die Kontinente hinweg ist es nur schwer möglich, dass die Gruppen synchron über Chat oder Videokonferenz miteinander kommunzieren und arbeiten. Es gibt aber zahlreiche Möglichkeiten der zeitversetzten, also asynchronen, Kommunikation und Kooperation, die genutzt werden können und den Schüler:innen aus der Alltagskommunikation mit Freunden vertraut sind, wie z.B. Sprachnachrichten, Videos, Podcasts, Fotos, oder die sie aus der Schule kennen, wie Fragen-Antwort-Foren, Etherpads usw. Der weitgehend oder vollständige Verzicht auf Formen der gleichzeitigen Kommunikation wird daher nicht als nachteilig oder negativ empfunden.

Abschließend noch für 5 Tipps für den Start ins erste eigene Projekt:

  1. Es ist wichtig alle Termine gut absprechen und diese am besten schriftlich vereinbaren! Insbesondere betrifft die unterschiedliche Ferien, Feiertage und Prüfungstermine.
  2. Eisbrecher einplanen: Direkt in das Thema einzusteigen, bedeutet an der falschen Stelle „Zeit zu sparen“ – das Kennenlernen ist wichtig: Die Kinder und Jugendliche möchten wissen, mit wem sie gemeinsam lernen und arbeiten. Und wer einmal gemeinsam gelacht hat, arbeitet anschließend tatsächlich besser zusammen.
  3. Lieber klein anfangen, als groß scheitern: Das erste Projekt darf ruhig sehr klein sein und nur wenige Unterrichtsstunden umfassen. Wenn es gut läuft, kann man das Projekt anschließend immer noch erweitern oder ein zweites mit einem neuen Thema starten.
  4. Hilfreich ist es auch alternative Kommunikationskanäle mit Partnerlehrer:innen zu vereinbaren, insbesondere wenn eine synchrone Aktivität geplant wie z.B. eine Videokonferenz geplant ist. Es kommt immer wieder vor, dass genau dann das Internet in der Schule nicht funktioniert. Die andere Gruppe wartet vergebens, da ist es gut, wenn man das eigene Problem schnell auf einem anderen Kanal kommunizieren kann. Und dann wird später einfach nochmal ein anderer Termin vereinbart.
  5. Projekte laufen (fast) nie wie geplant. Deshalb immer auch Zeitpuffer einplanen und wenn etwas schiefgeht, einfach gelassen bleiben. Das gehört dazu und aus jedem Fehler und Problem lässt sich lernen – idealerweise sind die Schülerinnen und Schüler altersgemäß schon früh und dauerhaft in die Projektplanung einbezogen – denn am besten lernt es sich gemeinsam!

Unterricht als Barcamp organisieren

Barcamps funktionieren als Veranstaltungen für große Gruppen, können aber als Methode zur Strukturierung von Unterricht auch für eine einzelne Klassen oder Jahrgangsstufen genutzt werden.

Wichtig ist ein relevantes Oberthema für die gesamte Gruppe und idealerweise ein Lebensweltbezug. Denkbar sind daher nicht nur bestimmte Lehrplanthemen, sondern können z.B. die Prüfungsvorbereitung von Abschlussklassen, Arbeiten und Lernen mit digitalen Medien, der Umgang mit Lockdown-Situationen, Schulschließungen oder Lernstrategien für den Fernunterricht sein.

An der Voltaireschule in Potsdam wurde z.B. die Abiturvorbereitungen als Barcamp durchgeführt. Informationen finden sich auf der Seite der Schule sowie in einem Podcast zum Thema „Barcamps in der Schule“.

Zentral für ein Barcamp ist, dass alle Teilnehmenden auch Teilgebende sein können. Es gibt also keine vorab festgelegte Rollenzuteilung in Referent*innen und Zuhörende.

Idealerweise findet ein Barcamp an einem oder zwei Tagen an einem Stück statt. Es kann aber als Methode auch in den Stundenrhythmus (ausführlicher hier) von einem oder mehreren beteiligten Fächern integriert werden.

Die einzelnen Schritte werden dabei den zur Verfügung stehenden Schulstunden zugeordnet:

  1. Einstieg: Thema? Wann kann/weiß ich schon? Was möchte ich dazu lernen?
  2. Überblick: Was ist ein Barcamp? Wie ist der Aufbau? Wie organisieren wir das gemeinsam am besten?
  3. Themenplanung: Festlegung der Dauer der Sessions (je Alter der SuS 15, 30 oder 45 Minuten) Erstellen eines (leeren) Sessionsplans/Verteilung auf verfügbare Stunden -> Wer hat offene Fragen? Wer kann/will welches Thema anbieten?
  4. Vorbereitung: Erarbeitung der Session-Inhalte, Beratung und Unterstützung durch LuL
  5. Durchführung: Leitfaden ist der Sessionsplan – offene Sessions/Räume ermöglichen die spontane Weiterführung von Sessions und das Aufgreifen neu auftauchender Fragestellungen
  6. Reflexion zum Abschluss, Rückmeldungen, ggf. Überlegungen für Planung eines weiteren Barcamps

Ein Barcamp als Unterrichtsmethode lässt sich sowohl im Präsenzunterricht wie auch über Break-Out-Rooms in einem Videokonferenztool organisieren.

Lernen auf Distanz: Videos

Weltweit sind zahlreiche Schulen noch bis zum Ende des Jahres geschlossen oder starten nun nach den Sommerferien bei geschlossenen Schulgebäuden mit Fernunterricht. Dabei spielen seit Beginn der Schulschließungen Videokonferenzen eine wichtige Rolle bei der Diskussion darum, wie der Unterricht während der Zeit der Schulschließung als Lernen auf Distanz organisiert werden kann.

Während zunächst technische und organisatorische Fragen angesichts des Zeitdrucks schnell umsetzbarer Lösungen im Vordergrund standen, ist der Einsatz von Videos und Webkonferenztools zuallererst eigentlich eine didaktische Frage.

Wesentlich dabei ist die Unterscheidung von synchronen und asynchronen Einsatzszenarien.

Ein Livestream aus dem (leeren) Klassenzimmer oder eine Videokonferenz, die versucht, den bisherigen Unterricht abzubilden, verlangt, dass alle Teilnehmenden gleichzeitig, also synchron, vor ihren Rechnern sitzen. Zwar lässt sich der Unterricht auch aufzeichnen, eine Partizipation beim Anschauen des aufgezeichneten Videos ist jedoch nicht möglich.

In kleinen Gruppengrößen mit bis zu mehr oder weniger 10 Teilnehmenden funktionieren Videokonferenzen gut. Sie sind sinnvoll, um sich direkt auszutauschen, Gemeinschaft herzustellen, offene Fragen zu klären… wobei der erste Tipp für die Gestaltung von Online-Lernen ist: Versuchen Sie nicht den Unterricht im Klassenraum 1:1 abzubilden. Passen Sie Ihre Lernangebote sinnvoll an die Bedingungen des Online-Lernens an. Weitere Hinweise und Tipps, die sich auch auf Schule übertragen lassen, finden sich z.B. hier!

Videokonferenzen sind anstrengend, für alle Beteiligten. Hilfreich sind deshalb kurze Auflockerungen. Ein schöne Sammlung von Aktivitäten und „WarmUps“ für den Start einer Videokonferenz bietet dieses Padlet.

Geht es hingegen um einen Input z.B. in Form eines kurzen Vortrags oder einer längeren Erklärung stellt sich die Frage, ob ein asynchrones Angebot nicht besser geeignet ist. Dazu kann man ein bereits existierendes Video für die Lernenden bereitstellen oder selbst eins produzieren.

Dies hat mehrere Vorteile:

  • Die Schüler*innen können das Video selbstbestimmt in Ruhe anschauen. Sie können das Video pausieren, einzelne Passagen oder das ganze Video mehrfach schauen, Fachbegriffe nachschlagen und konzentriert Notizen machen.
  • Es können sorgfältig aufbereitete, zusätzliche auditive oder visuelle Unterstützungen z.B. durch Grafiken, interaktive Modelle, Notizen/Einblendungen etc. in das Video integriert werden.

Das Anschauen des Videos und das Verständnis des Inhalts können durch eine geeignete anschließende Aufgabe sichergestellt werden. Offene oder auch weiterführende Fragen können dann entweder in einer kurzen synchronen Videokonferenz geklärt oder in einem (gleichfalls asynchronen) Frage-Antwort-Forum oder einem Etherpad notiert und besprochen werden.